erschienen bei Heuer Dialog

Zukunftspotentiale in Stadt und Region heben

Konversion, ein Gebot der Vernunft

Keine Ressource ist angesichts des Megatrends Urbanisierung so umkämpft, wie die verfügbaren Flächen in Ballungsräumen.

Dabei geht es nicht nur um das Thema Wohnen, sondern um konkurrierende Ansprüche. Verkehr, Gewerbe, soziale Infrastruktur und Kultur brauchen ebenso ihren Raum, wie Grün- und Freiflächen, die der Naherholung dienen oder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Nachverdichtung im Bestand und Neuausweisung von Bauland sind dabei unabdingbare Wege, um den Herausforderungen des Bevölkerungswachstums in den Metropolen Rechnung zu tragen. Eine zunehmende Bedeutung erlangt die Nutzungsumwidmung von Flächen, die Konversion. In Frankfurt wurden in den letzten Jahren nicht nur Kasernen, sondern auch Bahnhöfe, Brauereien, Gefängnisse, Bürohochhäuser, Industrieflächen, Hafenanlagen, Bunker und Hochschulen einer neuen Nutzung zugeführt. Dabei erwies sich die Konversion oft als Mittel zur Stadtreparatur. Unorte wurden zu urbanen Bausteinen und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung.

Aber auch für die regionale Entwicklung sind Konversionsflächen von hoher Bedeutung. Seit gut zwei Jahren lässt sich feststellen, dass aufgrund der stetig steigenden Immobilienpreise und Mieten in den Metropolen, eine Suburbanisierung einsetzt. Wohnimmobilien werden im direkten Umfeld der wachsenden Großstädte gesucht, weil dort noch die Eigentumswohnung bezahlbar, das Einfamilienhaus realisierbar ist. Die Entwicklung des ehemaligen Offenbacher Hafens in eine attraktive Wohnlage hat dabei Maßstäbe gesetzt. Offenbach und Frankfurt erscheinen nun wie ein Entwicklungsraum. Und wer sich mit dem Bevölkerungswachstum in den Metropolen auseinandersetzt, wird um eine regionale Betrachtung über die Stadtgrenzen hinaus nicht umhinkommen. Gut verkehrlich erschlossene, ehemalige Kasernenflächen wie in Friedberg oder Darmstadt sind relevante Potentiale in einer dezentralen Stadtregion.

Eine besondere Vorreiterrolle kommt neben Offenbach, der Stadt Hanau zu. Die Stadt war über Jahrzehnte einer der größten Militärstandort der US-Streitkräfte. Über 340 Hektar Kasernenflächen standen nach dem Abzug des Militärs für eine Neuplanung zur Verfügung. Nach und nach wurden die Flächen im Rahmen der Konversion einer Wohnnutzung oder einer gewerblichen Nutzung zugeführt. Die Folge waren ein deutlicher Bevölkerungsanstieg und eine Zunahme an Arbeitsplätzen. Mit einer planvollen Stadtentwicklung, unter Nutzung der Konversionsflächen, hat es Hanau geschafft, sich als eigenständiger Wohn- und Arbeitsstandort in der unmittelbaren Nachbarschaft von Frankfurt zu behaupten. Der letzte große Baustein ist nun die Umwandlung der ehemaligen Pioneer-Kaserne in ein Wohnquartier. Die Stadt Hanau hat sich hier für die Gründung einer gemeinsamen Projektgesellschaft mit der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft entschieden, um in den nächsten Jahren bis zu 1.500 neue Wohnungen zu schaffen.

Von ähnlicher Bedeutung, wie die Entwicklung der Pioneer-Kaserne für die Stadt Hanau, kann die Konversion des ehemaligen Allessa-Areals für die Stadt Offenbach werden. Die mit 35 Hektar größte zusammenhängende Entwicklungsfläche im Stadtgebiet, bietet die Möglichkeit, einen zukunftsweisenden Gewerbepark zu schaffen, der als Innovationscampus im 2016 verabschiedeten Masterplan beschrieben ist. Auch zu einer positiven Imagebildung für die Stadt, kann ein solches Leuchtturmprojekt erheblich beitragen.

Konversionsflächen bieten heutzutage erhebliche Chancen für die Stadt- und Regionalentwicklung. Auch wenn insbesondere die Sanierung von militärischen und industriellen Altlasten eine große Herausforderung für die Umnutzung darstellt, sind hier zukunftsweisende Potentiale zu finden, um Wohn- und Wirtschaftsstandorte weiterzuentwickeln. In Zeiten knapper Flächen ist die Konversion schlicht und ergreifend ein Gebot der Vernunft.

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